
Back to the Roots in Dolgenbrodt
Viele Countryfans haben so langsam aber sicher genug von den großen auf puren Kommerz ausgerichteten Truck & Country-Festivals und wünschen sich lieber ganz kleine und familiäre Countryfeste. Die Mitglieder der Ranch Lehmann aus Berlin ergriffen die Eigeninitiative und organisierten ihr eigenes Country-Weekend. Bereits zum zweiten mal (2002 war`s das erste mal) fand nun in Dolgenbrodt ihr Fest unter dem Motto “Back to the Roots” statt.
Vom 9.-10. Mai 2003 gab es auf der Wiese einer Westernreiter-Ranch in Dolgenbodt nicht nur Country Classics von der CSR-Discothek mit DJ Tex, sondern auch ein Südstaaten-Camp mit Hamton`s Legion. Mitveranstalter Bernd Lehmann legte grossen Wert darauf, dass möglichst wenig oder kaum Linedance getanzt wurde, was sich aber nicht ganz vermeiden ließ. Denn zu den Gästen dieses Weekends zählten u.a. auch Mitglieder des Country & Bikerclubs “Carolina Eagles”, Harley & Annette, Arno vom “Chattahoochee”-Saloon, Zechi mit Frau, um nur einige zu nennen. Am Freitagabend gab es am Lagerfeuer richtig gute Country & Bluegrass Music mit drei Musikern, die sonst solistisch bzw. in anderen Bands auftreten. Johnny Williams, Bodo Kopplin und Helmut Pommerenke sangen und spielten gemeinsam munter drauflos. Und das alles ohne Verstärker und Mikrofon. Später gesellten sich noch DJ Tex und sein Sohn Sven ans Lagerfeuer. Sven spielte auf seiner Gitarre und Tex sang. Irgendwann im Morgengrauen bin ich in mein Zelt gekrochen, weil ich einfach zu müde war.
Der nächste Tag, es war herrlicher Sonnenschein, war dem “Western-Handwerk” gewidmet, aber auch denen, die versuchten, am nahegelegenen Dolgensee zu angeln. Ich war bei den Anglern dabei und weiß daher, dass sie leider keine Fische gefangen haben.
Wer wollte, konnte sich ausprobieren mit Luftgewehrschießen, Hufeisenzielwurf, Lassowerfen, Messer- und Tomahawkwerfen, Peitschenknallen, oder einfach nur darüber fachsimpeln. Ich erinnerte mich an andere Westernfeste, die Anfang der 90er Jahre im Saarland in Heusweiler waren. Da gab es immer einen Westernfünfkampf. Das heißt, wer bei Messerwerfen, Beilwerfen, Hufeisenzielwurf, Lassowerfen und mit Pfeil und Bogen der/die Beste war, bekam ausser einer Urkunde einen wertvollen Preis. Manchmal gab es wegen Punktegleichheit sogar ein “Stechen”. Der Allroundchampion dieser fünf Disziplinen erhielt ein Fass Bier.
Nun, in Dolgenbrodt wurde kein Wettbewerb ausgetragen, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Man braucht nur nette Preise, eine Jury (bestehend aus Kampfrichtern), viel Papierkram (Starterlisten usw.) und Teilnehmer/innen (nach Altersklassen “sortiert”).
Natürlich gab es fast den ganzen Tag über wieder Country Music pur von DJ Tex, inklusive diverser Farmerweisheiten. In Wünsdorf soll wohl auch ein Countryfest (allerdings kommerzieller Art) gewesen sein, was aber wohl nicht gut genug oder vom Eintritt her zu teuer war. Auf jeden Fall tauchten plötzlich in Dolgenbrodt recht viele Leute (Tagesgäste) auf, die sich hier sichtlich wohler fühlten. Es kam sogar eine komplette Countryband an, die zwar offiziell nicht eingeplant war, aber wenn sie schonmal da waren, auch - kurzfristig als Überaschungsband angekündigt - live auftraten. Die Sherriffband baute ihre ganze PA auf, machte kurzen Soundcheck, und schon war die schönste Party im Gange. So konnten Olli und Bodo (von The Vagabonds) zwar selber nicht mehr - wie geplant - am Lagerfeuer singen, doch darüber waren die beiden nicht böse. Auch Bob & Helga Lumer tauchten plötzlich auf. Sie hatten aber keine Instrumente dabei und wollten eigentlich nur mal so vorbeischauen, sind aber viele Stunden geblieben. Ich kenne die beiden noch aus DDR-Zeiten als es in Berlin-Bohnsdorf auf der Lüttich-Ranch solche Partys gab. Damals haben sie wunderschöne Cajun Music gemacht.
Weil die Sherriffband auch viele moderne Titel im Programm hat, wurde nun doch Linedance getanzt, im trockenen, staubigen Sand unmittelbar vor der Band. Ich habe mich dann bei Bernd Lehmann noch dafür entschuldigt, weil nun doch Linedance getanzt wurde, aber ganz so verbissen sah er es dann auch nicht. Es wurde natürlich für die Sherriffband im Hut etwas Geld gesammelt. Denn wer so tolle Musik macht, hat es verdient. Ich weiß zwar nicht, wieviel Geld dabei zustande kam, aber der Hut war voll.
Auch dieser Tag endete erst, als die Sonne am Sonntagmorgen wieder aufging. Doch dieser letzte Tag galt eher dem einpacken und der Abreise. Obwohl sooo schönes warmes Wetter war, konnte ich es nicht verstehen, dass so viele Leute (wie die von den Carolina Eagles) schon so früh den Heimweg antraten. Bernd vom “Richtershorn” in Berlin-Grünau tauchte sogar noch auf, genau wie einige Western-Reiter, die ihre Pferde dort grasen ließen. Erst am späten Nachmittag trat ich dann auch meine Heimreise an, obwohl ich eigentlich gar keine Lust dazu hatte.
Eigentlich war dieses Fest von vornherein so konzipiert, dass alle Gäste - egal ob mit Weißzelt, oder Plastikzelt - auf Selbstversorger machen, ihren eigenen Müll aber wieder mit nach Hause nehmen müssen. Dennoch gab es die Möglichkeit, gegen einen sehr geringen Obulus feste und flüssige Nahrung zu erwerben. Gabi hatte am Bierstand echt alle Hände voll zu tun, um die durstigen Kehlen zu stillen. Auch Kaffee und Kuchen sowie gegrillte Steaks und Würstchen und Chili con carne waren im Angebot. Das Chili hat mir recht gut geschmeckt. Ich nehme an, das Verkaufsangebot an fester und flüssiger Nahrung war wohl viel eher für die Tagesgäste gedacht. Denn allein aus Dolgenbrodt selber kamen viele Neugierige Besucher/innen. Naja, und dass es in Wünsdorf nicht so gut lief, dafür konnte von uns in Dolgenbrodt niemand. (Weil ja von dort auch noch etliche Leute zu uns rüber kamen.)
Ihr Dolgenbrodter, ihr von der Ranch Lehmann, Tex und Gabi, und wer sonst noch für dieses tolle Country-Weekend verantwortlich zeichnet., ja, es hat mir sehr, sehr gut gefallen. (Auch wenn das Wochenende für meine Begriffe viel zu kurz war.) Allzugerne möchte ich im nächsten Jahr in Dolgenbrodt wieder dabei sein, wenn es heißt BACK TO THE ROOTS, es war für mich wie ein viel zu kurzer Urlaub. Vielleicht kann ich ja dann auch mit Messer, Tomahawk, Lasso und Peitsche etwas besser umgehen.
Bleibt so wie ihr seid, immer gesund und munter!
Keep it Country! Euer Festus H. Junior